Home
Beratung
Service
Ihr Mehrwert
Erfolgreich Gründen
Shopanbindung
EquiNews
Interessante Links
Jobs
Kontakt
Impressum

Foto: Jean-Michel Bell-Chambers, Holy Island, United Kingdom

Erfolgreichere Existenzgründungen in der Reitsportbranche

Autor: Bianca Bell-Chambers

 
Korschenbroich, 26.07.2010  Existenzgründer, die sich in Deutschland in der Reitsportbranche selbständig machen wollen, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Neuen Gründungen stehen Hochrechnungen zufolge fast gleich viele Reitsportunternehmen gegenüber, die aufgelöst werden. Wer ein paar wichtige Tipps von Experten beachtet, hat gute Chancen, erfolgreich zu sein.


Was einen guten Gründer ausmacht

Alexandra Kolbeck steht neben dem braunen Araber. Langsam lockert sie den Gurt des Sattels. Die Reitstunde ist beendet. „Mir ist es egal, was ich reite, ob Pony oder Pferd. Ich lege mich auch nicht auf eine Rasse fest.“ äußert die frisch gebackene Existenzgründerin. Die ausgebildete Bereiterin bildet nicht nur Pferde aus, sondern unterrichtet auch Kinder und Erwachsene in den Grundlagen des Reitens. Von Anfängern bis Fortgeschrittenen ist alles dabei. „Seit April habe ich meinen eigenen Stall. Dafür habe ich lange gespart und mich gut vorbereitet“ bekundet die 25-jährige aus Korschenbroich.

Das geht nicht allen so, die sich in der Reitsportbranche selbständig machen. „Viele sind schlecht vorbereitet und unterschätzen den Aufwand.“ gibt Rechtsanwalt Nils Becker aus Bad-Honnef zu bedenken. Laut KfW-Gründerkompass 2009 scheitert ein Drittel der Gründer bereits in den ersten drei Jahren. Alexandra Kolbeck ist flexibel, hoch motiviert und bereit, lange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. „Ich arbeite an sieben Tagen die Woche, oft bis zu 15 Stunden am Tag.“

Gründer sind Unternehmerpersönlichkeiten. Sie sind vom Einkauf bis zum Vertrieb Ihrer Produkte und Dienstleistungen für den gesamten unternehmerischen Ablauf verantwortlich. Gute Unternehmer entwickeln Visionen von Geschäftsideen, die es noch gar nicht gibt. Sie verfolgen zielstrebig eine Idee und sehen Niederlagen als neue Chancen. Sie orientieren sich nicht an Problemen, sondern suchen nach Lösungen. Das haben Studien der letzten Jahre wiederholt bestätigt.

 

Keine verlässlichen Zahlen für die Reitsportbranche

Nach Hochrechnungen des Meinungsforschungsinstitutes „IPSOS“ aus den Jahren 2001 und 2002 gibt es in Deutschland über 1 Millionen Pferde und Ponys und bis zu 1,7 Millionen Menschen, die regelmäßig aktiv Pferdesport betreiben. Berechnungen zufolge ergeben 3 – 4 Pferde einen Arbeitsplatz. Mehr als 10.000 Firmen, Handwerksbetriebe und Dienstleistungsanbieter haben direkt oder indirekt das Pferd als Haupt-Geschäftsgegenstand. Der Gesamtumsatz liegt nach vorsichtiger Schätzung bei weit über 5 Milliarden Euro pro Jahr. Weitere knapp 1,1 Millionen Menschen würden gern reiten und bieten zusätzliches Potential für die Branche.

In Deutschland gibt es weder eine einheitliche Definition von Gründungen und Liquidationen noch eine amtliche Gründungsstatistik. Schätzwerte lassen sich aus der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Gewerbeanzeigenstatistik ableiten. Das Statistische Bundesamt sammelt keine gesonderten Zahlen für die Reitsportbranche. Hierin sieht Nils Becker die Schwierigkeit. „Es gibt keine verlässlichen Daten für die Reitsportbranche. Alle Berechnungen beruhen auf Indizien, alten Studien und Hochrechnungen.“ Nach Berechnungen des Institutes für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn kamen auf alle Branchen in 2009 auf 100 Gründungen knapp 97 Liquidationen. „Wie viele auf die Reitsportbranche entfallen, weiß niemand genau.“ gibt der Rechtsanwalt zu bedenken.


Risiken des schnellen Onlinehandels im Pferdesport

Beim „Büro für regionale Pferdewirtschaft“ gibt es fortlaufend neue Reitsporthändler, die sich beraten lassen möchten. Viele Existenzgründer steigen über einen Onlinehandel mit Reitsportartikeln in die Selbständigkeit ein. Das ist riskant, wie die zahlreichen Abmahnfälle in der Reitsportbranche beweisen. Von lückenhafter Anbieterkennung über veraltete Widerrufsbelehrungen, der unzulässigen Speicherung von IP-Adressen und fehlender Datenschutzerklärung, riskieren Händler ständig, kostenpflichtig abgemahnt zu werden. „Das kann schnell zu einer existenzbedrohenden Situation führen.“ bestätigt Nils Becker. Die Kosten und Nutzen eines Online-Shops sollten laut Becker genauestens überprüft werden: „Für viele kleine Händler stehen Aufwände und potentielle Risiken eines Onlineshops in keinem vertretbaren Verhältnis zu den erzielbaren Umsätzen.“

Der direkte Vertrieb billiger Importwaren birgt Gefahren, die Existenzgründern laut Rechtsanwalt Becker nicht immer bekannt sind. „Wer als Reitsporthändler aus Drittländern Ware importiert, wird vor dem Deutschen Gesetz im Zweifel wie ein Hersteller behandelt. Dies birgt Risiken vor allem in der Produkthaftung.“

 

Gesetzliche Pflichten in der Reitsportbranche

„Die Gesetzgebung in Deutschland ist für kleine Selbständige und Unternehmen nicht sehr vorteilhaft. Das lässt sich jeden Tag in der Praxis erfahren.“ so Nils Michael Becker, der auch Herausgeber Deutschlands größter Pferdezeitung „Die Pferderegion“ ist. Auch wer nur einen kleinen Pferdebetrieb eröffnen möchte, hat gesetzliche Pflichten.

Wer gewerblich Pferde halten will, muss bestimmte Auflagen erfüllen. Als besondere fachliche Qualifikation ist die erforderliche Sachkunde in der Tierhaltung nachzuweisen. Die Vorschriften der Arbeitsstättenverordnung, der Betriebssicherheitsverordnung und die Unfallverhütungsvorschriften der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sind einzuhalten. Zudem gibt es zahlreiche baulichen Vorschriften für Gebäude, Reithallen, Reitplätze, Weiden und Ausläufe. Es existieren besondere Vorschriften für den Umgang mit Tieren, die Qualität der Futtermittel und die Vorsorge gegen Diebstahl. Mit diesen sollte sich der Gründer rechtzeitig vertraut machen.

Ein Reitsportunternehmen - gleich ob Hersteller, Handel oder Pferdebetrieb – ist verpflichtet, sich beim Finanzamt anzumelden, auch wenn es nur ein Klein- oder Nebengewerbe ist. Bei bestimmten Gesellschaftsformen wird der Eintrag in das Handelsregister notwendig. Ob eine Anmeldung bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) erfolgen muss, richtet sich nach der Art und Größe des Unternehmens. Weitere Anmeldepflichten sind zu beachten, z. B.:

 

·         Gewerbeanmeldung bei der zuständigen Stelle (Gewerbeamt bzw.   
          Gewebemeldestelle des Ordnungsamtes)

·         Anmeldung beim örtlichen Finanzamt

·         Prüfen, ob eine Anmeldung bei der IHK notwendig ist

·         Prüfen, ob ein Eintrag in das Handelsregister notwendig ist

·         Anmeldung bei Sozialversicherungsträgern

·         Eventuell Beantragung von Zuschüssen beim Arbeitsamt

·         Zulassungs- und Genehmigungspflichten beachten

 

Gründung eines Reitsportbetriebs aus der Arbeitslosigkeit

Nach den Ergebnissen des MittelstandsMonitors 2010 machen Gründungen als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit einen erheblichen Teil des gesamten Gründungsgeschehens in Deutschland aus. Dabei starten arbeitslose Gründer im Durchschnitt kleinere Projekte. So genannte „Notgründungen“ werden nach Angaben des KfW-Gründerkompass häufiger als andere Gründungen bereits nach kurzer Zeit wieder beendet.

Binnen sechs Jahren geben 50 Prozent der Existenzgründer auf. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergab, dass die durch die Bundesagentur für Arbeit geförderten Existenzgründungen selten an fachlichen Mängeln scheitern. Die häufigsten Gründe liegen in fehlender unternehmerischer Kompetenz, fehlenden finanziellen Mitteln und einer schlechten Planung und Vorbereitung des Gründers. „Vielen fehlt es neben einem guten Konzept an Eigenkapital, kaufmännischem Wissen und einem ausgefeilten Marketing.“ bestätigt Nils Becker.

Arbeitslose Gründer mit einem mindestens 90-tägigen Anspruch auf Arbeitslosengeld, können für eine haupterwerbliche Gründung ihres Reitsportgeschäftes oder -betriebs einen Gründungszuschuss beim Arbeitsamt beantragen. Bevor der Antrag gestellt wird, muss geprüft werden, ob der potentielle Gründer förderungswürdig ist und alle Voraussetzungen vorliegen. Das örtliche Arbeitsamt gibt nähere Auskünfte dazu.  

 

Was Gründer zur Selbständigkeit motiviert

Neben der drohenden Arbeitslosigkeit gibt es nach Auskunft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie weitere Gründe, die Menschen motiviert, selbständig zu werden. Finanziell unabhängig zu sein, den Arbeitsalltag selbst bestimmen und Zeit frei einteilen zu können sind ebenso wünschenswert, wie ein höheres Einkommen und das Hobby zum Beruf zu machen. Befragungen zufolge ist letzteres häufig der Grund, warum sich Existenzgründer in der Reitsportbranche nebenberuflich selbständig machen.

Ob haupt- oder nebenberuflich gegründet wird, ist für die Beantwortung wichtiger Fragen zweitrangig. Ein Existenzgründer sollte einschätzen können, was er kann, was ihn interessiert und was er erreichen möchte. Was voraus gesetzt wird, um die selbständige Tätigkeit zu erfüllen, ist im Vorfeld ebenso abzuklären wie eine Überprüfung, ob die Idee tragfähig ist und wer sie unterstützen kann.

 

Was ein Gründer beachten kann

Berater und Wirtschaftsinstitute raten zu überprüfen, ob die Idee mittelfristig dazu geeignet ist, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Kaufmännisches Grundwissen kann sich ein Gründer zeitnah aneignen. „Ein Unternehmer muss wissen, wann er welche Steuern zu begleichen hat, wie ein Buchungssatz funktioniert und was ein solider Geschäftsplan beinhaltet.“ bestätigt der Berater Nils Becker. Ein Businessplan stellt die Idee des Gründers vor, informiert über einzigartige Merkmale der Produkte und Dienstleistungen, über wirtschaftliche und rechtliche Einzelheiten und die persönliche Qualifikation des Gründers.

Auf das Gespräch mit potentiellen Kapitalgebern kann sich der Gründer vorbereiten. Dazu gehört neben einem persönlichen Lebenslauf ein kurzer, schriftlicher Businessplan. Sämtliche Dokumente über Kosten, Verträge und Sicherheiten werden vom Kreditgeber benötigt, um das Gesamtkonzept zu beurteilen. Ein sicheres, souveränes Auftreten und eine gründliche Vorbereitung auf mögliche Fragen des Kreditgebers sind ebenso sinnvoll, wie eine ruhige und konsequente Verhandlungstaktik. Schon hier kann der Gründer beweisen, dass er als Unternehmer qualifiziert ist. Eigene Defizite dürfen dabei direkt angesprochen werden.

Fehlendes Wissen kann mit entsprechenden Trainingsmaßnahmen ausgeglichen werden. Versicherungen können bestehende Risiken minimieren. Dies sind insbesondere Versicherungen, die im Erwerbsausfall einspringen und Haftungsrisiken abdecken. Dazu gehören die Erwerbsunfähigkeits-, die Krankenhaustagegeld-, die Produkthaftungs- und die Betriebshaftpflichtversicherung. Für die Rente und die Absicherung der Familie sollte rechtzeitig gesorgt werden. Dazu kann sich der Gründer mehrere Angebote von verschiedenen Versicherungsträgern einholen und auf das Preis-/Leistungsverhältnis prüfen. Schadensgefahren im Reitsportgeschäft oder im Pferdebetrieb können durch Alarm-, Brandmelde- und Sprinkleranlagen verringert werden.

Den gewählten Standort und potentielle Wettbewerber gilt es nach Becker zu analysieren. Die Ergebnisse bieten eine solide Grundlage für ein ausgereiftes Marketingkonzept. Durch Partnerschaften mit anderen Unternehmen können unternehmerische Chancen vergrößert und die damit verbundenen Risiken minimiert werden. Um unterschiedliche Erwartungen von vornherein auszuschließen, können gemeinsame Vorhaben schriftlich festgehalten werden. Flüssige Mittel müssen ständig bereit stehen, um laufende Kosten auszugleichen und zahlungsfähig zu bleiben. Zu einem guten Konzept gehört auch ein „Exit-Plan“, eine alternative Planung, die für den Fall des Scheiterns bereit steht. Steht das Konzept, wird der Plan in die Tat umgesetzt.

 

Wie sich eine gute Idee vermarkten lässt

Online-Marketing und –Vertrieb kann für Existenzgründer in der Reitsportbranche vorteilhaft sein. Informationen können auf einer Internetseite einfach und kostengünstig zur Verfügung gestellt werden. Ein potentieller Kunde kann sich rund um die Uhr über Produkte und Dienstleistungen informieren. Mit klugen Vermarktungskonzepten, die das Internet nutzen, ohne dass dabei klassische Risiken entstehen, lassen sich laut Becker rechtliche Schwierigkeiten minimieren. „Ein Beispiel sind Newsletter- und E-Mail-Marketing, welches zudem zu einer besseren Kundenbindung führen kann als herkömmliche Konzepte.“

Die Bedeutung des Firmenauftritts wird regelmäßig unterschätzt. Der Außenauftritt ist ein wichtiger Aspekt der Wahrnehmung von potentiellen Kunden. Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit sollte eine wesentliche Aufgabe des Gründers in der Reitsportbranche sein. Die Vermarktung der innovativen Produkte und Dienstleistungen soll auf die Zielgruppe „Pferdesportler“ abgestimmt sein und auf besondere Services, beispielsweise in der Pensionspferdehaltung hinweisen. Besondere Serviceleistungen sind z. B.:

- Seniorenpferdeunterbringung

- Offenstallplätze für Robustponies

- Tierärztliche Betreuung rund um die Uhr

- Individuelle Fütterung

- Sportpferdeausbildung

- Pferdehandel

- Therapeutisches Reiten

- Voltigieren

- Beritt

- Gastronomie (Kantine)

- Shop-in-Shop (Reitsportzubehör)

- Fachliche Vorträge und Workshops 

 

Ist eine Existenzgründung in Deutschland in der Reitsportbranche sinnvoll?

Innovative Gründungsprojekte fordern bestehende Unternehmen heraus. Das belebt laut „Gründerzeiten“ den Wettbewerb. Das Potential für Existenzgründungen in Deutschland ist nach aktuellen Studien noch lange nicht ausgeschöpft. Die neue Initiative "Gründerland Deutschland" des Bundeswirtschaftsministeriums zielt neben Gründungen als Schritt in die unternehmerische Freiheit auch auf eine berufliche Option, als Motor der strukturellen Erneuerung und auf die Unternehmensnachfolge im Mittelstand. Nach Auskunft des Bundesministerium für Wirtschaft benötigt das Land Existenzgründer.

„Es macht keinen Sinn, einfach ein Reitsportgeschäft zu eröffnen. Der Existenzgründer muss die Marktsituation und sein eigenes Potential kennen.“ so Nils Becker. Dazu gehören die Bedürfnisse potentieller Kunden, welchen Preis die Kunden für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse bereit sind zu zahlen und inwieweit die angebotenen Produkte und Dienstleistungen überhaupt erwünscht und konkurrenzfähig sind. „Wer sich in der Reitsportbranche selbstständig machen möchte, sollte sich zuvor umfassend beraten lassen.“ rät der Rechtsanwalt. Erste Anlaufstellen für Gründer sind neben freien Beratern die Handwerks- und die Industrie- und Handelskammern, die regionalen Startcenter und Wirtschaftsförderungen, die Agentur für Arbeit und die Existenzgründungsinitiativen der einzelnen Bundesländer.